Mir geht es gut…

Hallo meine lieben Leser,

ich möchte mich für meine Abwesenheit entschuldigen, leider habe ich momentan sehr viel um die Ohren und absolut keine Zeit zum Nachdenken und Schreiben und bevor ich euch hier mit Dingen nerve die nicht von Belang sind – schweige ich lieber.

Es gibt einige Updates in meinem Leben, die ich nachfolgend einfach auflisten möchte, weil ich schon wieder auf dem Sprung bin…

+ Ich hab einen neuen Mitbewohner, es ist ein schwarzer Mops der sehr viel Zuwendung braucht und mir die Kraft gibt den Alltag zu überstehen

+ Nach jahrelanger Suche habe ich nun endlich eine sehr Kompetente Therapeutin die ohne Vorurteile die Hürde auf sich genommen hat mich zu behandeln. (Ja, das muss man wohl so sagen)

+ Ich hab eine neue Arbeit, die mir momentan sehr viel Stress bereitet, aber ich weiß für wen ich es tue.

+ Seit letzter Woche ziert mich ein neues Tattoo auf meinem Mittelfinger, kurz und knapp gesagt „FUCK YOU!“ steht da. Und ich stehe dazu. Klingt vielleicht nicht meiner Bildung entsprechend, aber meinem Lebensweg – denn rechtzeitig habe ich zum Glück noch verstanden um wen es in diesem Leben für mich geht – nämlich um mich und niemand sonst.

SO, in diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Zeit, bin mir nicht sicher ob ich dieses Jahr überhaupt noch zum schreiben komme, aber ich komme sicher mal Online um euch Frohes Fest und Guten Rutsch zu wünschen ❤

Liebe Grüße,

Nikotin im Blut

 

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Wolgadeutsche Teil 1

 

1763 – 1941 Reise von Saratow nach Kemerowo

Dieser Teil meiner Vorfahren befasst sich mit der Familiengeschichte mütterlicherseits. Alles was ich euch berichte habe ich aus den Erzählungen meiner Mutter (geb.1954 in der Nähe von Kemerowo) sowie den offiziell anerkannten historischen Geschehnissen um die Wolgadeutschen.

Die sogenannten Wolgadeutschen, sind ehm. Deutsche Siedler aus verschiedenen Berufszweigen die dem Aufruf der russischen Zarin Katherina der Großen in den Jahren 1763 bis 1767 folgten Teile der Steppengebiete entlang der Wolga zu besiedeln. Sie kamen überwiegend aus Bayern, Baden, Hessen, Pfalz und dem Rheinland. So entstand im laufe der Zeit ein großflächiges Gebiet was einer autonomen deutschsprachigen Verwaltung unterlag – ein Staat im Staat sozusagen.

Meine Vorfahren waren in der Region um Saratow angesiedelt und bewirtschafteten eigenen kleinen Bauernhof. Mit dem Angriff Hitlerdeutschlands auf Gebiete der Sowjetunion 1941 erfolgte eine Zwangsumsiedlung der Wolgadeutschen – aus Angst sie würden sich Hitlerdeutschland anschliessen. Meine Urgroßeltern hatten 24 Stunden Zeit um ihre Koffer zu packen und mussten zwangsläufig mit ansehen wie ihr gesamtes Vieh abgeschlachtet wurde.

Die gesamte Familie, darunter meine damals 8jährige Oma sowie 8 weitere Geschwister wurden mit Güterwagons nach Sibirien in die Region Kemerowo deportiert.  Ab da an wurden alle Deutschen der Zwangsarbeit verpflichtet und durften kein Deutsch mehr miteinander reden.

Aus Erzählungen meiner Oma (geb. 1933 – gest. 2001) mussten selbst die Kinder für die Front arbeiten. Sie besuchte keine Schule und war demzufolge ihr Leben lang analphabet, ähnliche Lebensgeschichte ereilte auch meinen wolgadeutschen Großvater – ihren Mann, von dem ich nur sehr wenig weiß. Meine Oma arbeitete an großen Anlagen, die Nahrungsmittel für die Front aufbereiteten. In dieser schrecklichen Zeit der Hungersnot war ihre Arbeit dort unentbehrlich, denn die Abfälle der Industrieanlage kamen der Familie zugute.

Trotz aller Mühen erlebten 4 von 9 Geschwistern meiner Oma das Kriegsende nicht mehr, sie alle starben als kleine Kinder an Hunger und Kälte. Von den Kindern lebt heute nur noch eine Schwester, seit über 30 Jahren in Deutschland.

 

Fortsetzung folgt…

 

 

 

 

 

Diagnose – lebenslang…

Hallo,

auch wenn es nicht den Eindruck erweckt – ja, mir fällt es schwer einen Anfang zu finden, einen Anfang zu dem was mich heute ausmacht, wer ich bin und wohin ich gehe.

Ich starte den Versuch mich zu beschreiben, heute, jetzt und hier…

Vor mir mein Laptop, links daneben Aschenbecher – in meinem Arbeitszimmer herrscht stricktes Rauchverbot – aber heute breche ich diese Regel, wieder mal. Rechts ein großes Zeichenbrett – einst ein Geschenk von einem Menschen der mir die lebenslange Lehre erteilte in permanenter Angst zu leben – Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Mein Arbeitszimmer ist ein kreativer Ort an dem ich mich aktuell sehr oft aufhalte, denn mir geht es seit ein paar Wochen seelisch wieder sehr gut und ich bin produktiv. Liegt an der medikamentösen Einstellung. Mehrmals habe ich versucht ohne Medikamente auszukommen und bin immer wieder gescheitert.

Meine Psychiaterin ist der Meinung ich gehöre zu der Sorte Menschen denen man als Mediziner nichts mehr erklären braucht, ich google sowieso alles zuhause nochmal. Diese Kontrolle brauche ich, weil ich nie gelernt habe zu vertrauen.

Meine aktuelle berufliche Situation zwingt mich wieder mal zu vertrauen. Es fällt mir schwer, deswegen versuche ich mich auf jede erdenkliche Art abzusichern und die Kontrolle über allem zu behalten.
So klischeehaft und neumodisch es auch klingt, ich bin Borderliner, ich brauche diese Kontrolle,sonst scheint meine Welt auseinander zu fallen. Ich bin nicht stolz auf diese Diagnose und eigentlich mag ich kein psychologisches Schubladendenken der Mediziner. Aber das was in meinem Kopf seit Jahren vorgeht brauchte einfach dringend einen Namen.

In meinem Leben ist Borderline keine Rechtfertigung für mein Verhalten, sondern ein Weg zur Selbsthilfe und geht im Grunde nur mich und meinen Therapeuten was an. Mein Blog ist deshalb auch kein Ort an dem ich Borderline oder PTBS glorifizieren werde, ich begebe mich lediglich auf den Weg der Selbstfindung und nehme euch mit auf Reisen.

Einleitung

Werte Leser,

um euch den Einstieg auf meiner Seite zu erleichtern, möchte ich mich gerne Vorstellen – der erste Eindruck zählt, das gilt ganz besonders für Biografien. Denn wer bin ich schon, eine unter vielen – und wir alle weben am Tuch der Geschichte mit.

Im Dezember 1988 bin ich als Kind einer Wolgadeutschen und eines Halbrumänen in der Kirgisischen Hauptstadt Frunse geboren.

Ich wuchs zwischen Großstadttrubel und dörflicher Idylle als eine von zwei Kindern auf und wenn man mich heute fragt, so habe ich mit dem Dorfleben mehr gute Erinnerungen als mit der Stadt. Denn die 90er Jahre brachten nicht nur große Veränderungen mit sich, die meine Familie Haare raufend über sich ergehen ließ, sondern auch einen großen Ansturm an Kriminalität und Korruption.
Es war eine ungerechte Zeit, eine Zeit in der wir, Kinder des Raspads (Zerfall der Sowjetunion) nur noch die Geschichten aus guten alten Zeiten hören durften.

Die Erwachsenen hatten keine Zeit für uns, sie hatten ihre eigenen Probleme und so waren wir auf uns gestellt. Wer Großeltern hatte war klar im Vorteil, denn so war man wenigstens tagsüber oder in den Ferien in guten Händen.

Denn die Strasse war hart, sie war geprägt von Gewalt, Missbrauch und Drogenkonsum. Jeder war mit eigenem Kummer beschäftigt. Großeltern gingen auf die Strasse betteln, sie durchwühlten Müll um was essbares oder verwertbares zu finden. Es klingt hart, aber bei den kleinen Renten blieb es für viele die einzige Möglichkeit den eigenen Kindern auf diese Weise nicht auf der Tasche zu liegen.

Zu diesem Zeitpunkt lebten unsere Verwandten bereits im Ausland, im Land unserer Vorfahren: Deutschland. 1996 stellte meine Mutter auch einen Ausreiseantrag, an erster Stelle um uns Kinder vor der voranschreitenden Armut und den Gefahren der Strasse zu schützen.
An dieser Stelle möchte ich vor meiner Mutti niederknien und ihr dafür danken das sie für uns gekämpft und nicht aufgegeben hat. Jetzt als Erwachsene, die in Sicherheit ihr Leben frei gestalten kann, weiß ich ihre große Mühe sehr zu schätzen. Lebe ewig Mama, ich liebe dich vom ganzen Herzen und wünsche dir beste Gesundheit!

21 Jahre später…

Einst sagte ein Mann zu meiner Mutter sie hätte mich Nadja nennen sollen, ich werde kein einfaches Leben haben. Und so frage ich mich oft ob ich als Nadja ein besseres Leben gehab hätte. Ein anderes Leben eben…

Denn mit 12 Jahren wurde ich (glücklicherweise?) meiner Heimat beraubt, musste eine andere Sprache lernen und wie es so schön heißt mich „integrieren“.
Zwischen allen Erfolgen lagen Zusammenbrüche, Therapien und hm ja – frische Wunden auf der Haut – Wunden heilten, die Seele blieb vernarbt.

Mit diesem Blog wende ich mich an die Öffentlichkeit um all den Kindern eine Stimme zu geben die ungehört bleiben.